Transromanica Teil 3

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Verstehen

Wir avisieren das letzte Ziel für heute.
kapitel Wie es scheint, die wohl bekannteste Anlage.
O Mosteiro do Salvador de Paco de Sousa.
Plötzlich sind wir von vielen Menschen umgeben.

Ein voller Parkplatz, ein Reisebus.

Wir gehen ein paar Treppen hoch und kommen auf den Klostervorhof.
Direkt vor uns die Kirche. Erstmals dokumentiert 994 von Abt Randulfo, der aus einem Kloster im Süden flüchtete und hier sein Testament machte.

Die Fassade zeigt es schon, das dies hier eine größere und bedeutendere Kirche ist.
Es lässt sich ein dreischiffiges Inneres erahnen. Wieder das typische Portal mit den mehrstufigen Säulen, runde und eckige Säulen wechseln sich ab.
Auch hier ist der Bogen leicht nach oben gespitzt.

Torbogen Darüber ein Fries mit Kragsteinen und um alles noch zu übertrumpfen, eine große, reich verzierte Rosette. Erstmals taucht hier figürlicher Schmuck auf.
Die Kragsteine sind mit Tierköpfen versehen, rechts und links des Portals schauen ein Stierkopf und ein Menschenkopf auf uns herab.

Das Tympanon, die Fläche oberhalb der Tür und innerhalb des Bogens ist mit drei kreisrunden Reliefs geschmückt. Bislang blieb diese Fläche meist leer.
Die Zierornamente in den Kapitellen und in der Rosette weisen viele pflanzliche Darstellungen auf.
Blüten, Blätter, Ranken, die Kugeln erinnern an Knospen.
Nichts ungewöhnliches hier im Norden Portugals.


kapitelle Eingangsbereich Dies ist eine Weiterführung der Ornamente aus visigotischer und mozzarabischer Architektur, die hier schon früher vertreten war. Mozzaraber waren Christen, die unter der maurischen Herrschaft die Lebensgewohnheiten der Mauren angenommen hatten, aber ihren christlichen Glauben weiterlebten.
Später entwickelten sich diese Ornamente in der manuelinischen Kunst weiter zu Schiffstauen, Lianen und anderen exotischen Pflanzen, welche die portugiesischen Eroberer aus Übersee mitbrachten.

Wir schauen noch mal an der Kirchenfassade hoch und betreten den inneren Klosterhof.
Ein Brunnen in der Mitte, darum Wiesen und Arkaden, der ehemalige Kreuzgang.
Unter einem Teil der Arkaden weißgedeckte Tische, umgeben von kleinen Gruppen allen Alters und Geschlechts.
Hier wird ein Fest gefeiert, wir bewundern das Ambiente, ein Blick in den Kapitelsaal und nebenan in die Küche.
Wir sind hier Exoten, die Szene ist ausschließlich von Einheimischen bevölkert.

Nach dem Verlassen des Innenhofes entdecken wir am Rand des Vorplatzes einen Torre, einen Turm.
Die Tür ist offen, hier finden wir den im Kloster von Meinedo angekündigten Kontakt.
Und werden ein drittes Mal freudig empfangen.

Ein großer schlanker Mann Mitte vierzig, er entschuldigt sich sogleich, nicht des englischen mächtig zu sein, gut so, das português ist uns ohnehin gerade näher.
Nein, Infomaterial haben wir, ob man die Kirche von innen sehen kann?

Da erfahren wir den Sinn des Festes.
Ein neuer Pfarrer ist heute in die Kirche eingezogen.
Und der hält den Schlüssel unter Verschluss.
Ich frage mich, ob er damit Ungläubige welcher Art auch immer aus seiner Kirche fernhalten will.
Nun ja, das machen Priester verschiedener Religionen schon seit Anbeginn der Zeiten.

Nach einer vielmaligen Entschuldigung, das wir nicht in die Kirche hineinkommen, zeigt er uns noch einige Details an der Außenfassade und Bilder vom Inneren der Kirche.
Auch diese hat mehrere Umbauphasen erlebt.
Die Nebengebäude wurden einst bis in die Kirchenfassade hineingebaut. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts veranlasste Antonio Salazar, Ministerpräsident Portugals von 1932 bis zu seinem Tode 1968, dem Zeitgeist des nationalen Bewusstseins folgend die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes.


Fest im Kreuzgang Während wir uns der Kunstgeschichte widmen, dringt Musik von Guitarra, Akkordeon und Trommeln zu uns.

Wir sehen eine größere Musikgruppe in Tracht, Männer und Frauen, musizierend in den Klosterhof einziehen.
Traditionelle nordportugiesische Weisen, die uns in dieser Instrumentierung nicht fremd sind.
Wir verabschieden uns von unserem kenntnisreichen Führer und lassen uns von der Musik rufen.

Unter den Arkaden des Kreuzganges ist ein Buffet aufgebaut. Wir werden eingeladen und beim zweiten Zuruf trauen wir uns. Ein paar Worte hier, ein paar da. Alle sind traditionell gekleidet, die Frauen in helle, bunte Kleider und Strohhut oder Kopftuch, die Männer tragen Hosen mit Schlag, Weste auf weißem Hemd und schwarzem Filzhut. In etwa vergleichbar mit unserer traditionellen Handwerkerkleidung.

Wir gehen zu Tisch, nehmen uns ein paar Empanadas, kleine mit Fisch oder Fleisch gefüllte Teigtaschen und etwas Käse, dazu werden uns Orangensaft und Weißwein eingeschenkt.

Irgendwann ist allgemeiner Aufbruch.

Ein Bus wartet, Pkw werden gestartet, und das treibt auch uns auf die Autobahn, die seit wenigen Jahren am Rande des Vale da Sousa verläuft.
Wir hatten in Guimaraes ein Zimmer gebucht, am nächsten Morgen in der Frühe fliegen wir von Porto nach Bremen.

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