Transromanica Teil 1

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von Karl Odendahl und Edith Exo     

Prolog

Wie in jedem Jahr treffen wir uns im Frühjahr zur Vereinssitzung von Ars Vivendi.
In den Pausen einer solchen Sitzung suchen wir Entspannung und so finden wir den Prospekt der Transromanica, einem Zusammenschluss europäischer Kulturlandschaften.
Darin entdecken wir sehr bald, das auch eine Region im Norden Portugals vertreten ist, eine Gegend, in der wir immer mal wieder unterwegs sind.
Wir gedachten daraufhin, diese Region zu erkunden.

Wie auch schon in der Vergangenheit „das Reisen zur Verbreitung der Ideen und zur kulturellen Verschmelzung beigetragen hat“ (Juliane Koch, Transromanica Deutschland), so möchten auch wir mit unseren Reisen zum Austausch traditioneller Kulturen beitragen.

Wir wollen also zur Wiege der portugiesischen Kultur, nördlich des Douro gelegen.

Kirchenfassade hinter Palmblättern Hier, zwischen Minho und Douro, den zwei großen Flüssen im Nordwesten der iberischen Halbinsel hat sich der Gedanke zur Portugiesischen Nation erstmals festgesetzt.
Heinrich Graf von Portucale, aus dem Burgund kommend, und seine Gemahlin Teresa von Leon verwalten die Provinz von 1095 bis zum Jahre 1128 und förderten ein Nationalbewusstsein in der Bevölkerung. Der Wunsch zur Selbstständigkeit wird von deren Sohn Afonso Henriques weiterfolgt und führt dann zur Unabhängigkeit im Jahre 1179.

Mitte des 11. Jahrhunderts wurden die Mauren, die muslimisch geprägten Herrscher aus Nordafrika, denen die Landschaften nördlich des Douro nach kurzer Eroberung dann doch zu nass waren, weiter in den Süden zurückgedrängt.

Die christliche Kultur fühlte sich jetzt hier im Norden wieder sicherer. Es bildeten sich vermehrt Klöster, Gemeinden und Diözesen. Infolge dessen stieg der Bedarf an Kirchengebäuden.
So bildete sich die Kulturlandschaft des Vale de Sousa in der Nähe des Königssitzes in Guimaraes.

Aufbruch

Wir nähern uns dem Ziel aus Galicia, der nördlich von Portugal gelegenen autonomen Provinz Spaniens.
Wir fahren zunächst über große leere Autobahnen, die parallel zur Küste über hohe Hügel verlaufen und überqueren den zwischen Spanien und Portugal verlaufenden Grenzfluss Minho, spanisch Miño. Direkt hinter der Ausfahrt bei Guimaraes, der alten Königsstadt Portugals finden wir im ersten Kreisel den großen, weiss auf rot geschriebenen Hinweis auf die rota do romanico.
Dieser Hinweis leitet uns auf der gesamten Strecke, man kann nahezu problemlos folgen.
Zeit für eine kurze Pause.
Nach einem Kaffee brauchen wir in diesem Land auch am zeitigen Sonntagmorgen nie lange zu suchen. Wir nehmen einen Galão, den portugiesischen Milchkaffee im Glas und dazu ein Bolo, ein süßes Stückchen.

Kapitell Es geht hinab ins Tal und nachdem wir einen größeren Eukalyptuswald durchquert haben, kommen wir in das Vale da Sousa.
Der Unterschied zur Autobahn kann heftiger nicht sein. Wir fahren über schmale, kurvige und steile alte Straßen. Vorbei an kleinen Feldern mit Mais, Weizen, Roggen und viel hohem, rankenden Wein.
Die erste Station der Rota soll das ehemalige Benediktinerkloster
Santa Maria de Pombeiro sein.
Der Parkplatz ist als solcher kaum wahr zu nehmen. Die Zufahrt, mit großen Steinen gepflastert erinnert an alte römische Straßen.
Vor lauter Grün ist der Parkplatz kaum zu erkennen, mit einzelnen offenen Parkbuchten, aus Granitpfeilern und Holzsparren gebaut und überall Weinranken, die bis auf den Boden um sich greifen, das man darum mit dem Fahrzeug einen kleinen Bogen macht.
Außer Unserem steht nur ein weiteres Auto dort.
Entlang des gut erhaltenen Viadukts geht es zur Klosteranlage hoch.

Dokumentiert ist diese erstmals im Jahre 1102.
Ein schon lange nicht mehr von Mönchen belebtes Kloster, die Kirche steht noch, vom Klostergebäude nur noch ein Trakt, leider sind die Gärten nicht gepflegt.

Wir kommen gerade zu Beginn der Sonntagsmesse und nutzen die Gelegenheit, die Kirche von innen zu sehen.
Die Kirche war zu Zeiten des portugiesischen Barock mit einem großen Altar und viel Blattgold versehen worden. Die ursprünglichen romanischen Kapitelle wurden abgeschlagen und barocke Verzierungen aufgesetzt. Diese wurden teilweise wieder entfernt und man sieht wieder den grob behauenen Stein.

Wir sehen zwei Zeiten nebeneinander.
Das Romanische ist zum Teil zerstört, das Barocke zeigt auch kein Gesamtbild mehr.
Das Büro ist geschlossen, es sind wohl alle in der Messe, und das muss jedem gewährt sein.
Kirchenansicht Hier finden wir noch nicht den rechten Einstieg.

Unser nächster Halt ist die Ingreja do São Vicente.
Schade, das die Kirche zu ist, denn später erfahren wir, das hier in vielen Deckengemälden das Märtyrium des heiligen Vicente dargestellt ist.
São Vicente ist der Namensgeber der südportugiesischen Westküste und deren Schutzpatron.
Eine Region, in der wir schon viel unterwegs waren und die uns immer wieder beeindruckt hat.

Auf unserem weiteren Weg lassen wir zwei Kirchen unbeachtet und fahren zum Torre de Vilar.

Mit einem nach zwei Seiten offenen Ausblick nach Norden und Südwesten über eine überraschend weite Hügellandschaft ist der vierzehn Meter hohe Turm, kein militärisches Bollwerk. Den 1258 erstmals erwähnten Turm baute der damalige Herrscher für seine Gattin. Bewohnt wurde der Turm jedoch nie.

Torbogen Eingagsbereich Hier nehmen wir erstmals Kontakt zu den Verwaltern der Rota auf. Der Hügel mit dem Turm steht einsam, kein Mensch weit und breit, aber die Tür ist offen.
Wir werden herzlich begrüßt und auf englisch angesprochen, später wechseln wir ins portuguès.
Wir freuen uns über das ausführliche Infomaterial, kleine, sorgfältig gearbeitete Broschüren, eine detaillierte Karte und, da er von unserer ehrlichen Absicht überzeugt ist, einen professionellen Reiseführer der Rota do romanico in Portugal, der uns bei diesem Bericht eine große Hilfe ist.

Jetzt können wir zielgerichtet folgen.

Die Ingreja do Salvador do Aveleda. Sie liegt im ursprünglichen Teil des Dorfes zum Tal hin und ist offen, ebenso wie die darum liegenden Türen der kleinen, alten und ebenerdigen Steinhäuser.
Wir hören die Leute lachen und ältere Menschen nicken uns zu.
Die Kirche wurde zu Ende des 12. Jahrhunderts erbaut, der Ort, ursprünglich Aueaneda genannt, ist mehr als 200 Jahre älter.

Die Ponte de Vilela.
alte Brücke Eine Steinbogenbrücke, die schon seit vielen Jahrhunderten über den Rio Sousa führt und gerade renoviert wird.
Die Ingreja de Santa Maria de Meinedo.
Unspektakulär zwischen vielen neuen Asphaltstrassen gelegen, bietet sie doch einen Ruhepunkt.
Im Eingangsportal sehen wir die romanischen Bögen wie an der Kirche zuvor etwas spitzer zulaufen.
Als hätte jemand bei der neuen Gotik schon erstes Maß genommen.




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